Das Gesetz zum Schutz der Dunkelheit

Claus Probst: Das Gesetz zum Schutz der Dunkelheit
Leseprobe

  
Das Gesetz zum Schutz der Dunkelheit Wer seit Jahren ertrinkt, kann das Wasser nicht lieben. An manches gewöhnt man sich nie. Gewisse Erlebnisse sind gewöhnungsresistent. Das mit dem Wasser in die Lungen einströmende Gefühl des Erstickens ist dieser Kategorie zweifellos zuzurechnen. Auch hundertfach durchlebt will es einfach nichts von seinem Schrecken verlieren, eine Angst ohne Verfallsdatum, die mich verfolgt, so lange ich zurückdenken kann, ja selbst so lange Richard zurückdenken kann, und Richard vergisst nie etwas. Schon vor Jahren, als ich ihn noch Vater nannte und mich in seinen Gesichtszügen wiederzuerkennen glaubte, versuchte er beharrlich und erfolglos, mich mit dem Wasser auszusöhnen. Gelegentlich ging er dabei mit erstaunlicher Subtilität vor und einer Raffinesse, die man einem  grobschlächtigen Körper kaum zugetraut hätte. Ich erinnere mich noch gut an einen Trinkhalm, sicherlich den schönsten Trinkhalm, den ich jemals gesehen habe. Ich stieß wie zufällig in der Küche auf ihn, ein wahres Prachtexemplar, das in allen Regenbogenfarben schillerte und sich sacht an den Rand eines Glases lehnte, umgeben von Mineralwasser, das prickelnd kleine Luftbläschen ausstieß, mit einem leisen Zischen, wie das einer Schlange, die nur darauf lauerte, mich durch ihre Tarnung täuschen zu können. Zu meinem zehnten Geburtstag schenkte mir Richard ein — wie ich heute zugeben muss — wunderschönes Aquarium und machte mir heftige Vorwürfe wegen jedes einzelnen Todesfalles, der die farbenprächtige Fischpopulation weiter dahinschrumpfen ließ. Meist waren seine strategischen Manöver recht komplex, doch ließ er sich gelegentlich auch zu einem offenen Angriff hinreißen, und ich erinnere mich daran, wie ich während der Sommermonate den Garten mit animalischer Wachsamkeit durchwanderte, ständig darauf gefasst, dass er hinter einem der Büsche hervorspringen und mir den Wasserschlauch genau vors Gesicht halten könnte. Des Streitens überdrüssig trafen wir schließlich eine Übereinkunft, die Richard als den kleinsten gemeinsamen Nenner bezeichnete: Ich erklärte mich bereit, das Wasser ohne Wenn und Aber in die tägliche Körperhygiene einzubinden, und er bewegte einen befreundeten Internisten dazu, mir eine Chlorallergie zu attestieren, eine Diagnose, die mich dauerhaft von der Pflicht entband, in der Schule am Schwimmunterricht teilnehmen zu müssen.
Ein weiteres Zugeständnis an Richard stellten unsere gemeinsamen Angelausflüge dar, wobei ich mich mit dem Gedanken tröstete, dass mein Entgegenkommen genauso gut als heimliche Rache verstanden werden konnte. Aber so viele Fische ich dem Fluss auch raubte, so sehr ich der träge dahinfließenden Masse meine Überlegenheit zu demonstrieren versuchte, kaum wurde mein Gehirn durch den Schlaf seines Bewusstseins beraubt, wurden die Verhältnisse zwischen mir und dem Wasser auch schon wieder hergestellt, und wie Hunderte Male zuvor versank ich im grünen Licht des immer gleichen Gartenteichs, umgeben von Stichlingen und Libellenlarven und über mir verschwommen ein Gesicht und die Hand, die mich gestoßen hatte, dahinter die Silhouette eines Kirchturms, und dann kam die Angst und die Gewissheit, sterben zu müssen, und ein gellender Schrei, den niemand hören würde, und der in dem in mich einströmenden Wasser nur feuchtes Blubbern erzeugte. Warum, schoss es mir durch den Kopf, dann riss mich das Entsetzen jäh aus dem Schlaf. Erleichtert wurde mir klar, dass ich mich auf dem Trockenen befand, und dass die triefende Nässe, die meinen Körper frösteln ließ, nicht den Geruch von Algen in sich trug, sondern das beißende Aroma von Angst und von Schweiß.

Wenige Wochen vor meinem fünfzehnten Geburtstag wurde meine Mutter beim Überqueren der Straße von einem Lastwagen erfasst und war auf der Stelle tot. Was immer das auch heißen mag. Vermutlich, dass ihr Gehirn durch den Aufprall
zerplatzte, noch bevor es erschrecken oder etwas begreifen konnte. Lisa war eine ungemein zerbrechliche Frau gewesen, ängstlich und vorsichtig, ein Mensch, der zeitlebens jedes Risiko gemieden hatte. Dass ausgerechnet sie auf einem Zebrastreifen sterben musste, Einkaufstaschen schleppend und vor sich das grüne Männchen, das ihr aufmunternd entgegenleuchtete, wirkte ernüchternd, so als hätte der Tod persönlich klarstellen wollen, dass auch mit Vorsicht nichts gegen ihn auszurichten war.
»Die Welt ist ein Ort ohne Gnade«, brach es aus Richard heraus. »Gäbe es irgendeine Alternative, man müsste sie auf der Stelle verlassen. Als befände man sich auf einer gottverdammten Insel, und es gäbe dort nur ein einziges beschissenes Hotel.« Ich sehe noch seine geballten Fäuste vor mir, Fäuste an herunterhängenden Armen, die nicht wussten, auf wen sie einschlagen sollten. Lisa wurde an einem Mittwochmorgen beigesetzt. Eine trockene, bewegungslose Kälte lag über den Gräbern, und der gefrorene Boden knirschte wie eine Warnung unter den Schritten der Trauernden. Nachdem die Karawane der Kondolierenden an uns vorübergezogen war, griff Richard in die Innen-tasche seines Mantels, brachte mit zitternder Hand eine Zigarette zum Vorschein und starrte mürrisch rauchend hinab auf den mit Erde und Rosen bedeckten Sarg. Als von der Zigarette nur noch der Filter übrig geblieben war und die Hitze der Glut seine Finger zu erreichen drohte, ging ein Ruck durch seinen Körper. Mit der Miene eines Mannes, der so eben eine bedeutsame Entscheidung getroffen hat, suchte er die Verbindung zu meinen Augen.
»Da gibt es etwas, was ich dir sagen muss.« Seine Stimme klang heiser.
Der Rest der Trauergemeinde hatte sich diskret entfernt und uns allein am Grab zurückgelassen. Übrig geblieben waren nur zwei Totengräber, die etwa fünfzig Meter entfernt darauf lauerten, dass wir endlich verschwinden würden und
sie ihr Werk in Ruhe vollenden könnten.  »Lisa war eine wunderbare Frau. Sie hat dich über alles geliebt, das weißt du sehr gut.« Einen Moment lang hielt er
inne. »Aber sie war nicht deine Mutter.« Mit diesen Worten brach er laut schluchzend in Tränen aus. Ich starrte ihn ungläubig an. Es war das einzige Mal, dass ich ihn weinen sah. Danach war der Mann, den ich für unverwundbar gehalten hatte, für immer ein anderer. Richard und Lisa hatten mich kurz vor meinem vierten Geburtstag adoptiert. Wie bei Adoptionen üblich erfuhren sie über meine leiblichen Eltern nur wenig. So gab es fast nichts, was Richard nach Lisas Tod an mich weiterreichen konnte. Obwohl ich mich von klein auf gut entwickelt hätte, sei man mit meiner Erziehung überfordert gewesen. Gutbürgerliche Verhältnisse, beide Eltern gesund, keine Geisteskrankheiten,
keine Haftstrafen, keine Drogen. Richard und ich einigten uns darauf, dass ich ihn von nun an mit seinem Vornamen ansprechen würde, und ich versuchte, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass vieles nur Täuschung gewesen war und dass ich über meine Herkunft nicht mehr zu berichten wusste als eine Ansammlung nichts sagender Klischees.
Im darauf folgenden Sommer saßen Richard und ich am dicht bewachsenen Ufer eines Altrheinarms und blickten gedankenverloren auf das Wasser, welches gemächlich an uns vorüber zog und die an Angelschnüren ausgelegten Köder
seit Stunden mit Verachtung strafte. Als wollte uns der Fluss verspotten, sprangen im Licht der untergehenden Sonne immer wieder Fische aus dem Wasser. Mit ihrem Verschwinden hinterließen sie kreisförmige Wellen, die sich unternehmungslustig in Bewegung setzten, um sich bereits nach wenigen Metern in der Oberfläche des Flusses wieder aufzulösen.
»Glaubst du, ein Fisch, der aus dem Wasser springt, fühlt das Gleiche wie ein Mensch, der in das Wasser hineinspringt?«, fragte ich Richard. Aus seinen Gedanken gerissen blickte er mich an. Vermutlich war er gerade bei Lisa gewesen. Seit ihrem Tod hatte er beständig an Gewicht verloren. Er wirkte unglaublich alt.
»Träumst du noch immer diesen Traum?«, fragte er, indem er mir die Antwort schuldig blieb. Ich nickte wortlos.
»Wirst du ihn suchen?«
»Suchen?«, fragte ich verblüfft. »Den Teich?«
»Ja, natürlich: den Teich. Wirst du ihn suchen?«
»Glaubst du, dass er tatsächlich existiert?«
Seit Lisas Tod und Richards überraschender Enthüllung hatte ich diese Möglichkeit immer wieder in Erwägung gezogen.
Was, wenn es nicht nur einfach ein Traum war? Was, wenn das alles wirklich geschehen war, wenn dieser Teich tatsächlich existierte, dieser Garten, dieser Kirchturm, diese Hand?
»Hältst du es für möglich, dass er nicht existiert?«, gab Richard die Frage an mich zurück. Eine bessere Antwort hätte sich nicht finden lassen. Am nächsten Tag rief er einen Therapeuten an, der sich um mich kümmern sollte. Bittner, mein Psychiater, war völlig anders, als ich mir einen Therapeuten vorgestellt hatte. Gleich zu Beginn machte er mir unmissverständlich klar, dass er mich unter keinen Umständen schonen würde, und dass ich — falls ich nicht bereit
sein sollte, mich meiner Angst zu stellen — gleich wieder gehen könnte. Ohne Konfrontation läuft überhaupt nichts, mein te er lapidar, aber obwohl ich ihn anfangs für einen arroganten Schwätzer hielt, war da etwas an ihm, was mich bleiben ließ, denn im Gegensatz zu Richard war er nicht im Geringsten auf Versöhnung aus, sondern darauf, es dem Wasser richtig
zu zeigen. Und das tat ich dann auch. Bittner erwies sich als ausgesprochener Glücksfall. Indem er mich ständig wütend machte und meine Wut nutzte, um mich all das tun zu lassen, was ich Richard verweigert hatte, zwang ich das Wasser in die Knie, trank es, ging in ihm schwimmen, tauchte in ihm unter, fuhr ans Meer. Wir sprachen oft über den Traum, über meine Geschichte, über meine Herkunft, aber unsere Überlegungen blieben immer hypothetisch und führten
zwangsläufig an einen Punkt, an dem sich die Dunkelheit durch Phantasie allein nicht ausleuchten ließ. Die Behandlung dauerte über zwei Jahre. In der letzten Stunde, nachdem mir Bittner signalisiert hatte, dass das Ende der Therapie unmittelbar bevorstand, stellte ich ihm die Frage, die ich bis dahin bewusst vermieden hatte.
»Denken Sie, ich sollte nach meinen leiblichen Eltern suchen? Ich werde demnächst achtzehn, das heißt, ich könnte mich bei der Adoptionsstelle nach meiner Geburtsadresse erkundigen und einfach hinfahren.«
Bittner schlug die Beine übereinander, zupfte nachdenklich an seinem Ohrläppchen und blickte ins Nichts, um dort nach einer passenden Erwiderung zu suchen.
»Macht dir dieser Traum noch häufig zu schaffen?« fragte er schließlich.
»Nein, nur noch sehr selten. Es ist schon Wochen her, dass ich ihn das letzte Mal geträumt habe.«
»Kennst du La Palma?«, setzte er nach.
»Nein«, antwortete ich, irritiert über den scheinbaren Themenwechsel.
»Es gibt dort ein Observatorium von internationalem Rang, eines der größten Observatorien der Welt. Es liegt weit oben über der Ebene, auf dem höchsten Gipfel der Insel, dem Roque de los Muchachos.«
In seinem Blick lag plötzlich ein Schimmer von Melancholie, der erahnen ließ, dass ihn mit diesem Berg eine bedeutsame Erinnerung verband. Eine Frau vielleicht. Seitdem ich ihn kannte, war er dicker geworden, aber im Grunde genommen sah er nicht schlecht aus. Ich konnte mir vorstellen, dass er auf Frauen recht anziehend wirkte und dass er diese Wirkung auch auszunutzen verstand. »Über La Palma ist die Luft so klar und der Himmel so schwarz, dass sich für Astronomen optimale Bedingungen bieten. Um diese Voraussetzungen zu erhalten, wurde von der Inselregierung ein ungewöhnliches Gesetz erlassen: ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung.«
»Gegen Lichtverschmutzung?« Bittner nickte.
»Ja, auf La Palma wurden Lichtquellen wie Straßenlaternen und Leuchtreklamen auf ein Minimum reduziert und dürfen auf keinen Fall nach oben leuchten. Ein Gesetz zum Schutz der Dunkelheit sozusagen.«
Verwundert schaute ich ihn an. In den letzten Monaten hatte Bittner mich stets ermuntert, mich den Dingen zu stellen. Dass er mir nunmehr riet, auf eine Kontaktaufnahme zu verzichten, stellte eine unerwartete Wendung dar.
»Sie meinen, ich sollte es lassen? Warum?«
»Instinkt!«, erwiderte er knapp. Sein Blick wich mir aus.
Er wusste, dass ich seinen Rat missachten würde.
Das Haus, in dem ich nach Auskunft des Jugendamtes die ersten vier Jahre meines Lebens zugebracht hatte, lag unweit der Küste inmitten einer kleinen Ansammlung von reetgedeckten Gebäuden, die sich ähnelten wie ein Ei dem anderen. Ein kleiner Ort. Postkartenidylle. Seit dem Gespräch mit Bittner waren mehr als fünf Jahre vergangen. Ich hatte mir Zeit gelassen. Hatte mir einzureden versucht, dass es im Leben Wichtigeres gibt als die Vergangenheit. Die Schule abgeschlossen. Einige Frauen geliebt. Mich ein Jahr lang in Asien
herumgetrieben. Ein Architekturstudium begonnen. Mir ein kleines Appartement angemietet. Richard sah ich noch immer regelmäßig. Es gab niemanden, der mich mehr liebte als er, und entgegen aller Vernunft hatte auch ich nie aufgehört, mich in ihm wiederzuerkennen. Die Frau, die mir die Tür öffnete, trug ihr rötlich gefärbtes Haar kurz geschnitten, hatte schief stehende Schneidezähne und begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln. Dass es
sich bei Frau Mertens nicht um meine Mutter handelte, wusste ich bereits. Meine Eltern waren schon vor vielen Jahren nach Venezuela ausgewandert, wegen irgendeines Staudamm-Projekts; Vater war von Beruf Ingenieur gewesen.
Danach verlor sich ihre Spur; Aufenthalt unbekannt. Ich hatte mich telefonisch angemeldet und mein Anliegen vorgetragen. Nach anfänglichem Misstrauen hatte Frau Mertens eingewilligt. Sie wohne nun fast schon zwanzig Jahre lang in dem Haus, berichtete sie leutselig. Die Vorbesitzer hätten einen guten Eindruck auf sie gemacht. Kultivierte Leute, sympathisch, ein schönes Paar. Sie führte mich durch das Haus, ohne dass dessen Inneres in mir ein Gefühl hervorgerufen hätte. Geblümte Tapeten. Landhausmöbel. Viel Grün. Viel Ordnung. Viele Bücher. Beim Blick aus dem Fenster sah ich den Garten und den Kirchturm, der sich backsteinfarben in den Küstenhimmel bohrte.
»Kann ich auch den Garten sehen?«, fragte ich leise.
Achselzuckend führte mich Frau Mertens durch das Wohnzimmer hindurch auf eine gepflegte Terrasse, die durch kunstvoll geschwungene Metallmöbel und dicht bewachsene Terracotta-Gefäße provenzalisches Flair vermitteln sollte.
Wie hypnotisiert lief ich auf den hinteren Rand des Geländes zu. Kurz vor dem Gartenzaun senkte sich die Wiese zu einer flachen, kreisförmigen Mulde.
»Gab es hier früher einen Teich?«, wollte ich wissen.
In Frau Mertens Gesicht fand eine Veränderung statt. Als sei ihr mit der Erwähnung des Teiches etwas in den Sinn gekommen, was sie schon seit Jahren vergessen hatte, starrte sie mich voller Entsetzen an.
»Oh mein Gott!«, stieß sie hervor. »Sie sind der Bruder!«
Ich glotzte irritiert in ihr blasses Gesicht. »Der Bruder? Wessen Bruder? Gab es denn noch weitere Kinder?«
»Sie wissen von überhaupt nichts?«, fragte sie gequält.
»Nein. Nur sehr wenig.«
Es war ihr anzusehen, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte, als mich auch weiterhin im Unklaren zu lassen.
Einen Moment lang fürchtete ich, sie könnte mich auf der Stelle hinauswerfen.
»Bitte!« sagte ich mit flehender Stimme. »Sagen Sie mir, was sie wissen! Es ist wirklich wichtig für mich!«
Als sei es ihr plötzlich kühl geworden, verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust und strich sich mit den Händen beruhigend über die Oberarme. Schöne Arme. Übersät von Sommersprossen.
»Sie und ihre Schwester haben damals oft an dieser Stelle gespielt«, sagte sie mit Blick auf die Mulde. »Soviel ich weiß, war die Kleine damals noch keine zwei Jahre alt. Es war ein schrecklicher Unglücksfall. Die ganze Gegend sprach
davon.«
»Was ist passiert?«
»Eines Tages, als sie beide hier spielten, fiel ihre Schwester in den Teich und ertrank. Es war einfach furchtbar. Wenige Monate später wurde das Haus verkauft. Ich selbst habe den Teich bald darauf mit Erde auffüllen lassen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern, wissen Sie.«
Meine Gedanken stürzten kopfüber in die Mulde und sanken auf den Grund. Die Hand. Das Gesicht. Die Überforderung meiner Eltern. Sie hatten es gewusst! Plötzlich war das Wasser da. Ich war wach, stand auf dem Trockenen. Doch
das Wasser war da. Nicht außerhalb, wie in meinen Träumen.Es war in mir. Gurgelnd, kalt und alles erstickend stieg es in mir auf, wühlte sich durch die Gedärme nach oben, und ich fühlte, wie ich in seinen eisigen Massen begraben wurde.

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