Das Warten an Ampeln - Poetage

Frank Barsch
Das Warten an Ampeln

Poetage

 

 

 

gedicht

 

1

es war einmal
Winter
werden
die Märchen beginnen

am Sonntag
Nebel über dem Fluss
das Jahr
noch ganz steif

montags wissen wir
wieder wie
aber nicht mehr
warum

wir sind nicht Charlie
waschen kleben und schmieren
in allen Bereichen
den Umsatz gesteigert
wir sind Karikaturen

täglich schaffen wir
neue Probleme
berühren die Welt
durch einen Handschuh
aus Arbeit

aber halt
stopp
Moment mal
ich hänge jetzt nicht
die weiße Fahne ins Fenster
so sinnlos wie ich
soll erst mal
was anderes sein

dies ungeheure Umsonst

ich gehe auf die Straße
wie einer der
das Leben leicht nimmt

es schneit

das Warten an Ampeln
so billig ist hier
kaum was zu haben

ja ja
was wären wir
ohne Geheimnis



2

Februar Regen
wiederkommendes Licht
Spatzen trippeln Botschaften
über ein Blechdach und
der Kaminkehrer lacht

im Baumarkt
gibt es die Antwort
auf all meine Fragen
ich glaube an Tiefgrund
ich trage täglich
bei
zu mehr Wachstum
nur auf den Jetstream
ist kein Verlass

Marken sind unser
Heiliger Geist
kaputte Kommissare
halten abends die Predigt

vielleicht ist es besser
ein Heide zu bleiben
ja doch
ich will
ein Ungläubiger sein

ich lasse mich auch nicht
entdecken
oder
ganz neu erfinden
ich halte mich jetzt
von nützlicher Tätigkeit fern
ja ich versinke
in meinem eigenen Leben

das Warten an Ampeln
ein Mensch
ein Auto
vorbei

ich denke
ich habe schon
alles doch alles
wird immer weniger
mehr

ich denke
nur so
zu schreiben
und nicht
auf Mehrwert
zu hoffen
befreit

 

 

 

(...)

© 2010 Lothar Seidler Verlag www.seidler-verlag.de