Ein letzter Unterstand - Naturlyrik

Jancu Sinca
Ein letzter Unterstand

Naturlyrik



Ein letzter Unterstand

Vereinzelt schwarze Beeren,
kein Wind, kein Vogellaut,
das Rascheln in den Kehren,
die Blätter angestaut.

Die Dornen von den Schlehen
sind im Gestrüpp am Rand
und auf den Feldern Krähen,
ein letzter Unterstand.



Die Kreuzung

Wo sie sich kreuzen, Alleen,
windet die Luft durch Geäst,
Tauben sind darin zu sehen
und ein vereinzeltes Nest.

Flatternd, inmitten von Grau,
wellt eine Fahne sich aus,
Blätter von Buchen am Strauch
hören zu rascheln nicht auf.



Zement

Die Mischmaschine dreht sich laut,
Zement wird wieder angerührt,
die Kanten werden langsam hart,
die Stufen führen steil hinab.

Kein Baum steht vor der weißen Wand,
der Efeu rankt um eine Bank,
ein Haufen Ziegel liegt bereit
und in den Himmel ragt ein Kran.



Fensterplatz


Manchmal ein Haus,
dann nur ein Baum, eine Parkbank,
oder das Schaf
von einem Kloster am Weinhang.

Alles berauscht
lautlos die Augen am Fenster,
langsam, im Mund
löst sich der bittre Geschmack auf.



Das trockne Moos

Die Schatten haben scharfe Ränder,
kein Zweig ist ohne grüne Blätter,
das trockne Moos der Ziegeldächer
fällt manchmal auf die Fensterbretter.

Das Scharren dauert immer länger,
die Vögel flattern auf und nieder,
dann ist es still, am Wäscheständer
bewegen sich die Ärmel wieder.



Die letzte Fähre

Hinter den Zweigen der Lärche
zeigt sich verschwommen der Mond,
klar ist die Luft, eine Fähre
setzt an den hölzernen Steg.

Über dem Wasser die Schwalben,
laut setzt der Motor sich fort,
Schaum ist am Heck, krause Wellen
und eine Fahne, die weht.



(...)

© 2010 Lothar Seidler Verlag www.seidler-verlag.de